18. März 2021 Diskussion/Vortrag Leo Löwenthals Charakterisierung einer infamen Welt

Ein Vortrag von Chris W. Wilpert

Information

Veranstaltungsort

Online-Veranstaltung

Zeit

18.03.2021, 19:00 - 21:00 Uhr

Themenbereiche

Gesellschaftstheorie, Kapitalismusanalyse

Zugeordnete Dateien

Ein Vortrag von Chris Wilpert im Rahmen der Reihe »Vom Rande her«. Facetten, Exil und Nachleben der Kritischen Theorie

Vortragsreihe zu Marcuse, Sohn-Rethel, Pollock, Löwenthal, Bovenschen

 

Leo Löwenthal (1900-1993) gehörte als Mitarbeiter des Instituts für Sozialforschung zum engsten Kreis um Max Horkheimer. An Adornos und Horkheimers Kapitel »Elemente des Antisemitismus« in der Dialektik der Aufklärung hatte er einen wesentlichen Anteil. Einen eigenen Beitrag zu den Studien zum Autoritarismus legte er zusammen mit Norbert Guterman in Prophets of Deceit vor. Diese Faschismusanalyse hat gerade im letzten Jahr eine neue Aufmerksamkeit erfahren als eine vermeintlich aktuelle Beschreibung rechter Propaganda und Politik.

Seit den 1930er-Jahren bildete die materialistischen Literaturwissenschaft und später die Literatursoziologie einen Schwerpunkt von Löwenthals Arbeit. Einerseits erkannte er in der Kunst »Versprechen des Glücks« und einen utopischen Gehalt. Andererseits analysierte er das »bürgerliche Bewußtsein in der Literatur« und identifiziere die »permanente Krise des Individuums« in der europäischen Literatur seit 1600. In literarisch verarbeiteten Außenseitern sah er ein besonderes Potenzial, um die Mitte der Gesellschaft aus der prekären Perspektive zu kritisieren und damit seiner Definition von Kritischer Theorie gerecht zu werden: »Anzeige und Charakterisierung einer infamen Welt«.

 

Chris W. Wilpert ist Literaturwissenschaftler und technischer Redakteur.

 

Zur Reihe »Vom Rande her«. Facetten, Exil und Nachleben der Kritischen Theorie

 

»Man sollte vielleicht als Intellektueller stets am Rande leben«, hat Leo Löwenthal einmal in einem Vortrag formuliert. Er stand, wie auch andere Vertreter der Kritischen Theorie »stets am Rande«, und formte aus dieser Perspektive seinen Blick auf die Gesellschaft und die soziale Ordnung.

Im Anfang der 1920er gegründeten Frankfurter Institut für Sozialforschung sammelten sich marxistische Intellektuelle, die Zweifel am Proletariat als revolutionärem Subjekt hegten, die Theorie als Praxis verstanden, und mit ihrem Fokus auf kulturellen Phänomenen statt ökonomischer Produktionsverhältnisse eine Außenseiterstellung in der Wissenschaft einnahmen. Als jüdische und marxistische Theoretiker vom Nationalsozialismus ins Exil gedrängt, blickte man fortan aus dem Exil auf die Gesellschaft, sowohl die amerikanische mit all ihren kleinen und großen Widersprüchen wie auf den Abgrund, der sich in Deutschland auftat.

Dieser Blick »vom Rande her« soll mit unserer Vortragsreihe hervorgehoben werden, der innerhalb der Kritischen Theorie wiederum diejenigen in den Blick nimmt, die oftmals nicht im Mittelpunkt standen, etwa Leo Löwenthal oder Friedrich Pollock.

»In den Gebieten, mit denen wir es zu tun haben, gibt es die Erkenntnis nur blitzhaft. Der Text ist der langnachrollende Donner«, hat Walter Benjamin in seinem »Passagen-Werk« notiert. Mit unserer Reihe wollen wir den Donner der Kritischen Theorie weiter nachhallen lassen und weitere blitzhafte Erkenntnisse ermöglichen.

 

In Kooperation  mit dem Rosa Salon Trien. Die Veranstaltungen finden via Zoom statt.

 

Weitere Termine:

 

27.1. Jan Rickermann: Geschichtlichkeit und Revolution. Über verändende Praxis bei Herbert Marcuse

 

10.2. Françoise Willmann: Alfred Sohn-Rethels Erkenntniskritik. Von der frühen Intuition zur späten Anerkennung

 

3.2. Philipp Lenhard: Eine neue Ordnung? Friedrich Pollock und der Nationalsozialismus

 

24.3. Robert Zwarg: Aus unsicherer Distanz: Über Silvia Bovenschen

 

Kontakt

Dr. Jonas Engelmann

stellv. Regionalbüroleiter Rheinland-Pfalz, Rosa-Luxemburg-Stiftung Rheinland-Pfalz

Telefon: +49 6131 6274703