Nachricht | Call for Abstracts: Marx Kongress 2017

Theorie und Praxis im 21. Jahrhundert – Kongreß an der Universität Trier vom 11. bis 14. Oktober 2017

2017, und es ist Marx-Jahr. Die Stadt Trier nimmt dies zum Anlass, um nach dem großen Nero-Jahr 2016 der nächsten Persönlichkeit ihre Aufmerksamkeit in Form von Sonderausstellungen, Festakten und anderen Veranstaltungen zuzuwenden: Karl Marx, dem wohl bekanntesten Sohn der Stadt. Im Fokus der Trierschen Erinnerungspolitik steht dabei die notwendige Aufarbeitung der unter dem Banner des Marxismus begangenen Menschheitsverbrechen des 20. Jahrhunderts, während die Auseinandersetzung mit dem marxschen Werk entweder nicht stattfindet oder vollkommen analyse- und begriffslos bleibt.  Einen politischen, geschweige denn ernstzunehmenden Gegner sehen sie in Marx offensichtlich nicht. So ist anlässlich des 150-jährigen Erscheinens des „Kapital“ im September 2017 sowie des 200. Geburtstages von Karl Marx im Mai 2018 die kulturindustrielle Verwertungsmaschinerie durch die Stadt Trier längst in Bewegung gesetzt und von der Handelskammer bis zur Universität findet sie breite Zustimmung.

Diese verkehrte Situation möchten wir vom Rosa Salon Trier wiederum zum Anlass nehmen und fragen: Ist das alles, was von Marx, seinen Motiven, Theorien und Kritiken bleibt? Der Gesellschaft irgendeinen kulturellen Grund zum Feiern zu liefern? Den AkademikerInnen ein spannendes ideengeschichtliches Feld zu bieten, welches in (unvergüteten) Seminaren diskutiert werden kann? Politischen Gruppierungen einen identitären Bezugsrahmen zu geben? Bejaht man diese Fragen, so scheint die Kritik verschwunden, welche Marx von den Frühsozialisten und Linkshegelianern übernahm und radikalisierte, und welche in vielfältiger Weise dem Denken des 20. Jahrhunderts ihren Stempel aufdrückte. Aber woran liegt das? Ist es die Folge gesellschaftlicher Entwicklung? Hat sich unser Verständnis der Welt dermaßen gewandelt, dass Marx' Kritik obsolet geworden ist?

Mit dem bevorstehenden Kongress soll die konkrete Frage behandelt werden, wie im Jahr 2017 sinnvoll an das marxsche Denken und seine radikale Kritik gesellschaftlicher Verhältnisse angeschlossen werden kann und welcher Kritik und Weiterentwicklungen diese bedürfen.

Wir bitten daher um die Einsendung von Beiträgen, welche sich thematisch in folgenden Bereichen bewegen, aber auch jenseits davon formuliert werden können:

Marxsche Grundlagen und die Kritik der gesellschaftlichen Verhältnisse:

Inwiefern war das Denken von Marx grundlegend den Verhältnissen seiner Zeit verhaftet? Wie hat Marx Konzepte und Begrifflichkeiten wie Fetischismus, Verdinglichung oder Entfremdung geprägt? Was sind die zentralen Argumente der Kritik der politischen Ökonomie? Inwieweit sind Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität marxsche Kategorien? Welches Wahrheits-, Wissenschafts- und Theorieverständnis legte Marx zugrunde und in welcher Weise kann adäquat daran angeschlossen werden?

Zugriffe, Kritik und Weiterentwicklung der marxschen Kritik:

Was ist Kritik? Haben sich Ansätze und Disziplinen wie Psychoanalyse oder Linguistik als fruchtbar für die kritische Theorie der Gesellschaft erwiesen? In welchem Verhältnis stehen die Analyse von Antisemitismus und Rassismus zur marxschen Theorie? Wie schließen soziale Kämpfe wie die des Feminismus oder des Postkolonialismus an Marx an? Welcher Begriff von Ideologie ist dem Bestehenden angemessen und worauf muss die Kritik dieser Ideologie fußen? Kann man (noch) von einer gesellschaftlichen Totalität sprechen? Wie stehen an Marx anschließende Theorie und Philosophie zueinander? Haben wir es mit einer einschneidenden Transformation des Kapital-Verhältnisses zu tun? Und wie verhält sich die marxsche Kritik zu moderner ökonomischer Theorie?

Die Kritik der Utopie und die Utopie der Kritik:

Welche utopische Kraft kann der Marxismus in den gesellschaftlichen Strukturen unserer Gegenwart entwickeln? Waren immanente Probleme der Theorie verantwortlich für das Scheitern marxistischer Projekte im 20. Jahrhundert? Wie muss das Verhältnis von Theorie und Praxis aussehen? Was ist von Klassentheorie zu halten, was von der Revolution? Wie könnte die Organisation emanzipatorischer Praxis konkret aussehen? Lassen sich Menschen heute noch für sozialistische oder kommunistische Ideen mobilisieren? Und wie hat man umzugehen mit Linkspopulismus und der Frage des Politischen?

 Fristen und Ablauf:

Willkommen sind Beiträge aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen und fachlichen Disziplinen. Es können Vorschläge für Panels oder einzelne Beiträge eingereicht werden. Zudem ist es möglich, mediengestützte Beiträge zu zeigen oder künstlerische Ausarbeitungen zu diesem Thema auszustellen.

Bitte sendet uns eure Abstracts von nicht mehr als 300 Wörtern mit einer kurzen Selbstbeschreibung eurer Person auf Deutsch oder Englisch per E-Mail zu. Die allgemeine Konferenzsprache ist Deutsch, Vorträge können jedoch auch auf Englisch gehalten werden.

Veranstaltet wird der Kongress vom Rosa Salon Trier sowie der SJ – Die Falken Trier, gefördert wird er von der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Einzureichen sind die Abstracts per Email an Sebastian.frech@rosalux.org oder per Post an das Regionalbüro der RLS, Neckarstraße 27 in 55116 Mainz.
Wir bitten um eine Einsendung der Beiträge bis zum 30. April 2017